Resilienz statt Resistenz

Resilienz statt Resistenz

Sowohl Resistenz als auch Resilienz bedeuten Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einwirkungen.

Psychologisch betrachtet gibt es jedoch aus meiner Sicht wesentliche Unterschiede zwischen Resistenz und Resistenz.

Resistenz erinnert mich an eine Alublechdose.

Die Aludose hält lange großem Druck stand. Man sieht es ihr nicht an. Sie kann auch Kopfstehen. Sie glänzt. Ist der Druck zu groß, bricht sie zusammen.

Die Dose kann nur schwer in ihrer ursprüngliche Form zurückfinden. Danach sieht man es ihr an. Sie hat an Wert verloren…sie ist im Burnout.

Resilienz gleicht mehr einem Schwamm. Weich, verformbar, nachgiebig, flexibel. Der Schwamm findet nach “eindrücklichen” Ereignissen wieder in seine Ursprungsform zurück.

Meine Lieblingsmetapher für Resilienz ist die Stehauffigur.

Sie kippt, aber nicht ganz. Sie schwankt, gerät aus der äußerlichen Balance, ihre innere Balance jedoch behält sie. Sie ist gut geerdet, daher kann sie nichts umkippen. Sie kann nie Kopfstehen. Man sieht ihr ihre Schieflage sehr wohl an, doch tänzerisch findet sie wieder ins Gleichgewicht. Dabei verlässt sie ihren ursprünglichen Platz. Sie spürt den Druck, weicht ihm aus, schwankt, braucht Zeit und entwickelt sich weiter. Erhobenen Hauptes steht sie wieder aufrecht da. Last but not least ist sie zudem verspielt und unterhaltsam!

Wir haben die Wahl, ob wir aalglatt, glänzend und scheinbar unbeirrbar jedem Druck standzuhalten versuchen, oder ob wir auch mal ausweichen, in dem wir uns weich zeigen, verletzlich, schwankend.

Resilienz bedeutet, eine krisenhafte Zeit durchzustehen und an ihr zu wachsen. Dies bedeutet nicht

  • dauerhaft positiv zu bleiben
  • sich nichts ansehen zu lassen
  • immer zu lächeln
  • immer freundlich und verständnisvoll zu sein
  • immer perfekt und stark zu sein
  • immer für andere da sein zu müssen
  • Leiden zu verdrängen
  • alles gut sein zu lassen
  • nur Gutes im Leben zu erwarten
  • nie (mehr) Probleme und Krisen zu haben

Resilienz bedeutet auch

  • Emotionen zeigen und verzweifelt sein zu dürfen
  • egoistisch sein zu dürfen, in dem man auf sich selbst gut achtet
  • sich Hilfe holen zu dürfen
  • sich verletzlich zu zeigen
  • sich Fehler zu erlauben
  • authentisch schlecht gelaunt zu sein
  • auch das Negative sehen zu dürfen
  • auf Probleme und die nächste Krise vorbereitet zu sein

..und schließlich den Sinn zu erkennen und daran zu wachsen um für die nächste Krise gut ausgestattet zu sein.

 

Dose und Schwamm habe ich in einer Fortbildung mit Gottfried Huemer kennengelernt.

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